Die Kniefixierung
Bei einer Kniefixierung handelt es sich um eine brutale und potentiell tödliche Sicherheitspraxis, die von der Polizei und von privatem Sicherheitspersonal angewendet wird. Bei einer Kniefixierung verlagern Polizist*innen das gesamte Körpergewicht auf den Nacken, Rücken oder die Brust einer am Boden liegenden Person. Es ist nahezu unmöglich für die gewaltausübenden Beamtinnen, ihre Kraft zu kontrollieren. In diesen Momenten wird das Knie zur unberechenbaren, immer wieder auch tödlichen Waffe. Die Betroffenen erleben schwere Verletzungen und Todesangst.
Die Kniefixierung ist Teil von gewaltvollen und potentiell tödlichen Sicherheitspraktiken

Einbettung in weitere Gewalt
Kniefixierung ist in der Regel in weitere Gewalt eingebettet, das heißt zum Beispiel einen Aufprall auf dem Boden, Schläge, Tritte, Schmerzgriffe, psychische Gewalt durch verbale Attacken und die Erniedrigung, die mit der Kniefixierung einher geht. Mit jeder Form der Gewalt gehen weitere Verletzungsrisiken einher.
Täter-Opfer-Umkehr
Polizeigewalt richtet sich in erster Linie gegen marginalisierte Menschen und Menschen in prekärsten Lebensumständen. Gefährdet sind besonders Betroffene von Rassismus; Menschen, die durch Aufenthaltsrecht ausgegrenzt werden, Menschen in psychischen Krisen, Menschen in Armut. Das sind auch in der Regel Menschen, die keine starke Lobby und wenig Ressourcen haben, sich laut gegen das Unrecht zu wehren, das ihnen angetan wird. Polizist*innen wissen, dass sie in Deutschland faktisch nahezu straffrei handeln können und nach ihren Angriffen weiter im Dienst bleiben, Gehalt beziehen und weitere Menschen gefährden, während die Betroffenen mit bürokratischer Gewalt mürbe gemacht werden.
Bereits durch die Kniefixierung selbst werden Betroffene als übermäßige Bedrohung inszeniert. Auch danach erhalten sie oft Anzeigen von den beteiligten Polizist*innen, bspw. wegen (vermeintlichem) Widerstand gegen Vollstreckungsbeamt*innen oder (vermeintlichem) tätlichem Angriff auf Beamt*innen. Diese Verfahren können sich über Jahre in die Länge ziehen. In den Fällen, in denen es zu einem Gerichtsprozess kommt, wird das Narrativ über Betroffene mittels Übertreibungen, abgesprochener und falscher Aussagen und selektiver Erinnerung seitens der Polizeibeamt*innen aufrechterhalten.
Betroffene von Kniefixierungen erleben also oft eine Täter-Opfer-Umkehr. Sie werden systematisch als Täter*innen dargestellt, während sich die gewaltausübenden Polizeibeamt*innen als Gewaltbetroffene präsentieren. Besonders fatal ist für Betroffene, dass teilweise nicht nur ihr eigenes Umfeld, sondern auch sie selbst in Folge dieser Täter-Opfer-Umkehr an ihrer Wahrnehmung zweifeln und schlimmstenfalls die Täter-Opfer-Umkehr übernehmen (Vielleicht habe ich ja wirklich etwas Gefährliches gemacht? Vielleicht haben die Polizist*innen ja angemessen gehandelt? Ich bin selbst Schuld, dass mir das passiert ist.)
Gewalt nach der Kniefixierung
Hinzu kommt, dass betroffene Personen zu denjenigen gehören, die in der Gesundheitsversorgung ebenfalls systematisch diskriminiert werden. Das heißt die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich für betroffene Personen dort Erfahrungen fortsetzen, wo sie als erstes Schutz und Unterstützung suchen, nämlich in der Gesundheitsversorgung. Es ist keine Seltenheit, dass ihnen ein Teil ihrer Erfahrungen abgesprochen wird, ihnen fälschlicherweise eigene Schuld am Geschehen zugeschrieben wird, Schmerzen nicht ernstgenommen und Behandlungsmöglichkeiten unterschlagen werden. Auch das trägt zur Gewalterfahrung und zu potentiellen Langzeitfolgen bei.
